Überblickskarte Slowakei und Ungarn 2015

Große Exkursionen - Slowakei 2015

Zwei Wochen durch die Slowakei und durch Ungarn mit fast 50 Stationen
Überblickskarte Slowakei und Ungarn 2015
Foto: IGW

Die zwei Wochen der Exkursion wurden thematisch unterteilt:
In der ersten Woche wurden zahlreiche rohstoffgeologische Standorte in Ungarn und der Slowakei studiert. Besucht wurden u.a. ehemalige sowie aktive Lagerstätten, verarbeitende Industrie sowie sich in Prospektion befindende Gebiete.
In der zweiten Woche wurden die Tektonik sowie der regionalgeologische Aufbau der Westkarpaten thematisiert. An zahlreichen Aufschlüssen quer durch die Slowakei wurden die verschiedenen Einheiten und deren geodynamische Entwicklung behandelt.

Die Studierenden bedanken sich für die Organisation bei Prof. Dr. Juraj Majzlan, Prof. Dr. Kamil Ustaszewski, Prof. Dr. Dušan Plašienka (Universität Bratislava) und Prof. Dr. Georg Büchel. Im Besonderen bedanken sich die Studierenden bei der GFG Jena und weiteren Sponsoren für die finanzielle Unterstützung.

1. Woche

Begonnen wurde die Exkursion am 18. September ca. 50 km westlich von Budapest mit der Besichtigung einer ehemaligen Bauxit-Lagerstätte. Besucht wurde des Weiteren eine Aufbereitungsanlage für Quarzsand, der als Grundrohstoff für die Glasindustrie dient. Außerdem wurde auch ein Unternehmen für Metallschrottverarbeitung, als Beispiel für Sekundärrohstoffe aufgesucht. Der zweite Tag begann mit der Einfahrt in einen Braunkohletagebau.

Braunkohletagebau in der Nähe von Gyöngyös. Braunkohletagebau in der Nähe von Gyöngyös. Foto: IGW

Es folgte die Visite eines Unternehmens, das Zeolithe abbaut und eines weiteren Unternehmens, das Perlit als Rohstoff für mineralisches Dämmmaterial fördert. An einem einzelnen Tag wurde die ehemalige Gold- und Silberbergbauregion in der Nähe von Telkibánya, Ostungarn (ca. 60 km nordöstlich von Miskolc) besichtigt. Das Bergbaugebiet ist in den Tokaj-Bergen gelegen und wurde vom 14. bis 19. Jhd. ausgebeutet. Den Studierenden wurden die Genese der Lagerstätte, die Geschichte der Region und die verschiedenen Fördermethoden der einzelnen Jahrhunderte an mehreren Lokalitäten erklärt. Am 21. September wurde die Exkursion in der Slowakei fortgesetzt. Zunächst wurde eine Talklagerstätte besucht, die aktuell ausgebeutet wird. Es folgte die Führung zu einem sich aktuell in Prospektion befindenden Scheelit-Vorkommen durch einen Prospektionsgeologen.

Fluoreszenz des Scheelits beim beleuchten mit einer UV-Lampe. Fluoreszenz des Scheelits beim beleuchten mit einer UV-Lampe. Foto: IGW

Außerdem fuhren die Exkursionsteilnehmer in ein stillgelegtes Braunkohlebergwerk untertage ein, wo sie das Abbauverfahren erläutert bekamen. Es folgten zwei Beispiele, die die Folgen des Energieträgers Kohle zeigen: In der Nähe einer Deponie für die bei der Verbrennung übrig gebliebene Kohleasche, gab es 1965 eine Havarie, sodass das unterhalb gelegene Gebiet von der arsenhaltigen Asche überflutet wurde. Die Flussaue wurde danach mit Lockermaterial abgedeckt. Auch heute noch sind in dem Fluss "Nitra" hohe Arsengehalte messbar. Außerdem entstanden und entstehen in der Region Depressionen an der Landoberfläche durch Setzungserscheinungen des Grubenfeldes.

Prof. Majzlan erklärt den Studierenden die Kontamination einer Flussaue durch Kohleasche und das Sanierungskonzept. Prof. Majzlan erklärt den Studierenden die Kontamination einer Flussaue durch Kohleasche und das Sanierungskonzept. Foto: IGW

Die letzten beiden Tage der ersten Woche widmeten sich Erzlagerstätten. In der Nähe von Banská Štiavnica und Banská Belá wurden Aufschlüsse von Neovulkaniten besucht. Es folgte der Besuch mehrerer Lokalitäten um Kremnica. Es wurde in einen Stollen eingefahren, eine offene Grube besucht sowie ein Aufschluss eines Rhyolithdoms studiert. Als Abschluss der ersten Exkursionswoche wurde in Ľubietová eine ehemalige Kupfererzlagerstätte besucht. Die Grube wird von vielen Mineraliensammlern aufgesucht, da hier sehr schöne Malachitstufen gefunden werden können. Es folgten der Besuch einer Halde einer Golderzlagerstätte in der Niederen Tatra sowie ein Aufschluss von Melaphyren in der Nähe von Banská Bystrica.

 

2. Woche

Im Laufe der zweiten Woche wurden die verschiedenen tektonischen Einheiten der Westkarpaten in der Slowakei an verschiedenen Aufschlüssen studiert. Begonnen wurde am 26. September mit dem Besuch von Aufschlüssen des Meliaticums mit Radiolariten der Unteren Trias und Plattformkalken der Oberen Trias sowie Ophiolithe und Schelf-Kalkstein. Außerdem wurden auch Metamorphite (Glaukophanschiefer - hoher Druck und geringe Temperatur) der Bôrka-Decke besichtigt und der Wettersteinkalk der Silica-Decke. Diese Einheiten gehören zu den Inneren Westkarpaten. Das Meliaticum ist das Relikt des ehemaligen Meliata-Ozeans, der in der Jura bis Kreide geschlossen wurde. Die Bôrka-Decke besteht aus obduzierten Gesteinen (Ophiolithe) und die Silica-Decke aus den Sedimenten des ehemaligen Kontinentalschelfs.

Prof. Plašienka (Universität Bratislava) zeigt die tektonischen Einheiten auf der geologischen Karte der Slowakei. Prof. Plašienka (Universität Bratislava) zeigt die tektonischen Einheiten auf der geologischen Karte der Slowakei. Foto: IGW

Es folgte der Besuch der Einheiten der Zentralen Westkarpaten. Den Studierenden wurden zunächst Aufschlüsse des Gemericums und Veporicums, die das kristalline Grundgebirge bilden sowie der Muráň-Decke gezeigt. Das Gemericum hat das Veporicum z. T. überschoben und wird allochthon überlagert von Gesteinen der Muráň-Decke. Unter anderem wurden Granitoide des Grundgebirges (Veporicum) und dessen Bedeckung durch mesozoische Metasedimente (z. B. Quarzit, Dolomit) besichtigt. Daraufhin wurde die Grenze zwischen dem Tatricum sowie Veporicum besucht und weitere Aufschlüsse des Tatricum. Das Tatricum wurde von der Veporic-Einheit überschoben. Fatricum und Hronicum wurden in der Oberkreide als Deckenstrukturen über das Grundgebirge geschoben. Diese Deckenstrukturen wurden ebenfalls an weiteren Aufschlüssen studiert. An einem einzelnen Tag wurde die Abfolge der Fatricum- und Hronicum-Bedeckung in der Kleinen Fatra, ca. 30 km westlich von Žilina, erwandert. Begonnen wurde dabei im Tatricum und es folgte danach eine 16 km lange Wanderung durch die Einheiten des Fatricums.

Die freiliegenden Dolomite des Veľký Rozsutec in der Kleinen Fatra. Die freiliegenden Dolomite des Veľký Rozsutec in der Kleinen Fatra. Foto: IGW

An den letzten beiden Tagen der Exkursion wurden Aufschlüsse des Pieninen-Klippen-Gürtel besichtigt, der die Grenze zwischen den Zentralen und Äußeren Westkarpaten darstellt. Der Klippen-Gürtel ist das Relikt der Subduktion des Piemont-Liguria-Ozeans, der hier auch Pieninen-Ozean genannt wird. Der Gürtel wird in mehrere tektonische Einheiten unterteilt, die zum größten Teil aus deformierten Sedimenten des Juras und der Kreide bestehen.

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