Auslandssemester in Trondheim, Norwegen, 2021

Lena Wenkebach

Ein Semester an der NTNU in Trondheim (Norwegen)
Von Lena Wenkebach

Ich habe für das Frühlingssemester 2021, welches in Norwegen vom 07.01. bis zum 11.06.2021 ging, einen Erasmus Austauschplatz in Trondheim bekommen. Möglich war dies nicht über mein Institut (Institut der Geowissenschaften), weil über dieses Institut kein Austausch mit Trondheim stattfindet, sondern fachfremd über DaF (Deutsch als Fremdsprache) bei Dr. Dorothea Spaniel-Weise. Das hat wunderbar geklappt. Es lohnt sich also, sich auch fachfremd bei anderen Instituten zu bewerben – es liegt dann in der eigenen Verantwortung, nachzusehen, ob an der Gastuniversität passende Kurse angeboten werden. Ich habe mich für Trondheim entschieden, weil mich die norwegische Kultur und Landschaft gereizt hat, und es sich bei der NTNU um die größe Universität Norwegens mit sehr gutem Ruf handelt.


Finanzierung

Finanziert habe ich mich über meine üblichen Einnahmen, und dem Erasmus Stipendium mit aktuell 450 Euro pro Monat. Das Geld vom Stipendium hat noch nicht einmal für die Miete gerreicht, daher ist es wichtig, ausreichend Rücklagen zu haben. Das letzte Drittel des Geldes erhält man auch erst nach dem Auslandsaufenthalt. Auch für Reisen innerhalb Norwegens habe ich einiges an Geld ausgegeben (hat sich aber absolut gelohnt!). Lebensmittel sind auch wirklich teuer im Vergleich zu deutschen Preisen. Also unbedingt frühzeitig an die Finanzierung denken.


Wohnung

Die Gastuniversität (NTNU) hat sehr lange Zeit für die Zusage gebraucht. Erst wenige Wochen vor Fahrtantritt bekam ich die Zusage, was wohl an Verzögerungen aufgrund der Corona Situation lag. Weil der Wohnraum in Trondheim knapp ist, sollte man schon früh mit der Wohnungssuche beginnen, daher habe ich dann einer Wohnung zugesagt, obwohl ich die Zusage der Gastuniversität noch nicht hatte – das war gewagt, hat aber zum Glück geklappt. Die günstigsten Wohnungen sind beim Studentenwerk der NTNU, “Sit”, zu finden. Dafür kann man sich recht einfach bewerben, indem man bei den Bewerbungsunterlagen der Gastuniversität das entsprechende Häkchen setzt. Weil ich inmitten der Corona Pandemie nach Norwegen wollte, ergaben sich einige Probleme seitens der NTNU, sodass in meinem Austauschsemester leider nur wenig Wohnraum bei Sit zur Verfügung stand. Untergekommen bin ich dann im Rosenborg Studentby, einem damals noch privaten Wohnheim, welches inzwischen aber auch zu Sit gehört. Mit der Wahl war ich sehr zufrieden, das Wohnheim ist sehr modern mit schicker Dachterasse und guter Aussicht, die Lage ist gut, und man hat in den 7er WGs viel Gesellschaft. Leider sehr teuer mit 580 Euro pro Monat, aber mit solchen hohen Preisen muss man rechnen. Auf der Webseite der NTNU gibt es da praktische Tipps und Links zu den verschiedenen Wohnheimen, die mir sehr weitergeholfen haben. Auch über finn.no, dem norwegischen ebay kleinanzeigen, und über Facebook kann man nach einer Unterkunft suchen.

Ankunft in Norwegen (Flug, Quarantänehotel, Kleidung)

Ich bin mit dem Flugzeug über Amsterdam nach Trondheim angereist. Aufgrund der strengen Corona Maßnahmen seitens der norwegischen Regierung musste ich vor und nach Ankunft in Norwegen einen Corona-Test machen. Angekommen in Trondheim, musste ich eine 10-tägige Quarantäne in einem Quarantänehotel verbringen, die Kosten von etwa 500 Euro (5000 NOK) wurden glücklicherweise von der NTNU übernommen.
Ich bin an Silvester nach Trondheim gereist, zu einer besonders dunklen Jahreszeit mit nur wenigen
Stunden Sonnenlicht pro Tag. Es waren -15 Grad zu Beginn meines Auslandaufenthaltes. Ich rate jedem dazu, sich bereits in Deutschland gute und warme Kleidung zuzulegen. Ich war gut vorbereitet mit
Merino-Wollunterwäsche, Wanderschuhen sowie Winterschuhen, gefütterten Handschuhen, Schal,
Mütze und einer winddichten Winterjacke. Spikes musste ich mir dann zusätzlich noch besorgen, weil
die Wege teilweise so vereist waren, dass das Profil meiner Winterschuhe nicht ausreichte. Am
günstigsten ist das Sportgeschäft „XXL Sport“ in Trondheim, in der Innenstadt sind auch zwei Intersport zu finden.

 

 

Abb. 1 Trondheim Altstadt Abb. 1 Trondheim Altstadt Foto: Lena Wenkebach

Trondheim - Die Stadt

Trondheim ist eine sehr hübsche und lebendige Studentenstadt. Es gibt alles von Strand (Korsvika), zu Häfen, das Wandergebiet Bymarka, eine schicke Innenstadt zum Shoppen, eine gemütliche Altstadt mit Cafes, und eine große, moderne Universität. In meinen Augen ist Trondheim die perfekte Stadt zum studieren. Einzig die Preise schrecken ab: Alkohol ist sehr teuer, allein ein Bier im Supermarkt kostet schon umgerechnet 3 Euro. Die Leute sind im Allgemeinen sehr freundlich und höflich.

Kursauswahl

Meine Kurse habe ich mir über den online Modulkatalog an der Universität herausgesucht und mit meinem Ansprechpartner meines Instituts besprochen, welche Kurse ich mir anrechnen lassen kann. Das lief sehr unproblematisch. Das einzige Hindernis war, dass die Kurse an der NTNU in der Regel 7,5 LP bringen, an der Uni Jena aber keine halben LP verbucht werden können. Daher musste für jeden Kurs entschieden werden, ob nun 7 oder 8 LP anerkannt werden.
Zusätzlich zu den fachlich relevanten Kursen ist ein Norwegisch für Anfänger Kurs (Norwegian for beginners) an der NTNU sehr zu empfehlen. Zuhause kann man schon mit einem Online Kurs ohne Anmeldung beginnen, einfach über die website https://www.ntnu.edu/norwegiancourse/norwegian-on-the-web.

Der Unterricht

Alle meine Module fanden in englischer Sprache statt. Ich hatte vor allem Online-Unterricht, was den Kontakt mit anderen Kommilitonen erschwerte. Dafür gab es mehr Gruppenarbeit, als ich es an deutschen Unis gewöhnt war. Im Online-Unterricht bedeutete dies, Gruppenarbeit in Breakout-rooms mit anschließender Präsentation in beinahe jeder Vorlesung. Das war einerseits interessanter als rein rontaler Unterricht, andererseits wurden meist nur 15-20 Minuten für die Gruppenarbeit eingeplant, was zu viel Zeitdruck und Stress führte. An sich fand ich die Idee aber ganz gut. Am besten haben mir die Kurse „Global Change Biology“ und „Sustainable Management of Ecosystem Services“ gefallen, da viel Neues und Interessantes für mich dabei war. Bei letzterem haben wir sogar eine kleine Exkursion zu einer Aquakultur gemacht, das war sehr spannend. Insgesamt ist die NTNU sehr modern ausgestattet und gut organisiert, eine sehr gute Universität! Auch auf Emails bekam man schnell eine Antwort.


Ausflüge

Am Wochenende war viel Zeit, Trondheims Umgebung zu erkunden. Toll ist das Wandergebiet Bymarka, welches sich ganz einfach mit dem Bus erreichen lässt. Dort kann man im Winter Langlaufski fahren (Skier entweder für wenig Geld an der Skistua direkt im Skigebiet ausleihen, oder gratis bei Bumerang, einer Ausleih Station für Ausrüstung aller Art für Studierende der NTNU). Außerdem kann man natürlich wandern, auch Hüttenwanderungen sind sehr beliebt. Hütten kann man für wenig Geld mieten und dann mitten im Wald ohne Elektrizität oder Wasser übernachten, nur mit Holzofen beheizt, und mit Glück hat man auch eine Sauna dabei. Einer meiner schönsten Momente in Norwegen! 

 

 

Abb. 2 Nordlichter, Ende Februar, von einer Hütte in der Nähe von Trondheim aus betrachtet :) Abb. 2 Nordlichter, Ende Februar, von einer Hütte in der Nähe von Trondheim aus betrachtet :) Foto: Lena Wenkebach

Urlaub

In den Osterferien und im Anschluss des Semesters war Zeit, auch mal weiter weg zu reisen. Ich war in Tromsø, ein beliebtes Ausflugsziel weit im Norden, allerdings ist die Stadt weniger spektakulär – dafür kann man tolle Ausflüge machen und Abfahrtski fahren, wenn man ein Auto hat. Im Sommer war ich dann in den Lofoten mit Freunden, die ich während der Erasmus Zeit kennengelernt habe. Die Lofoten sind unglaublich schön und zu empfehlen! Mit dem Zug kann man für 30 Euro nach Bodø fahren, und von dort gratis die Fähre zu den Lofoten nehmen. Dort empfiehlt es sich dann, ein Auto auszuleihen. Wir sind in einem richtig schicken Ferienhaus untergekommen und haben dann Tagesausflüge mit Wanderungen gemacht, das war ein unglaublich toller Urlaub.

Fazit

Ich würde jedem ein Auslandssemester empfehlen. Ich habe international Freundschaften geknüpft, ein neues Land und Sprache kennengelernt, tolle Ausflüge und Urlaube gemacht und fachlich viel dazugelernt. Auch mein Englisch konnte ich verbessern. Norwegen war für mich die perfekte Wahl, die freundlichen Leute und die spektakuläre Landschaft haben mich fasziniert. Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich über Erasmus finanzielle Hilfe bekommen konnte, ansonsten wäre mein Auslandssemester wahrscheinlich nicht zustande gekommen. Toll, dass es Erasmus gibt. Bei Fragen schreibt mir gern eine Email an lena.wenkebach@gmail.com

 

Abb. 3: Lofoten, Reinebringen. Mitternachtssonne! Abb. 3: Lofoten, Reinebringen. Mitternachtssonne! Foto: Lena Wenkebach